Redaktioneller Ratgeber

Origami: Drehen und Wenden mit einem Probeblatt unterscheiden

Der Beitrag

Beim Origami bleibt beim Drehen dieselbe Papierseite sichtbar. Beim Wenden kommt die Rückseite nach oben. Wer diese Bewegungen verwechselt, kann trotz passender Außenform vor der falschen Seite des Modells sitzen. Mit einem beschrifteten Probeblatt lässt sich der Unterschied prüfen, bevor am angefangenen Modell weitere Falten entstehen.

Die folgende Übung eignet sich für einen Faltenachmittag allein oder zu zweit. Sie verwendet ein loses Quadrat und eine einfache Halbierung, keine Anleitung für eine bestimmte Figur. Das Blatt darf für diese Lernhilfe beschriftet werden.

Drei Bewegungen getrennt betrachten

Freunde über 60 bei einem entspannten aktiven Ausflug an einen See
BewegungWas sich ändertWas dabei erhalten bleibt
Auf dem Tisch drehenDie Richtung von Ecken und Kanten zur TischkanteDieselbe Seite liegt oben
Als Ganzes wendenVorder- und Rückseite tauschenEs entsteht dadurch keine neue Faltlinie
Einen Teil faltenPapier wird entlang einer Linie umgelegtDer übrige Teil dient als Bezug

Bei mehrlagigen Modellen können nach einer Faltung andere Farben sichtbar werden. Ein Farbwechsel allein beweist dort deshalb noch kein Wenden des ganzen Modells. Die Tabelle wird zunächst an einem ungefalteten Blatt ausprobiert.

Robert J. Lang unterscheidet in seinen Diagrammhinweisen Drehungen in der Zeichenebene und das Wenden von Seite zu Seite beziehungsweise von oben nach unten. Die Form eines Drehzeichens kann variieren; Richtung und angegebener Drehbetrag gehören zur jeweiligen Anleitung. Quelle: Origami Diagramming Conventions (https://langorigami.com/article/origami-diagramming-conventions/), Abschnitte zu Drehungen und Wenden.

Ein Blatt mit zwei eindeutig erkennbaren Seiten vorbereiten

Schreiben Sie ein großes A in die Mitte der einen Seite und ein B auf die Rückseite. Zeichnen Sie nur auf die A-Seite zusätzlich einen kurzen Pfeil nahe einer Kante, der zu dieser Kante zeigt. Die Markierung soll gut sichtbar sein und nicht durch das Papier scheinen.

Legen Sie A nach oben und den Pfeil von sich weg, zur hinteren Tischkante. Diese Lage heißt hier Ausgangslage. Für jede Zeile der folgenden Tabelle beginnen Sie erneut so; die Zeilen werden nicht nacheinander ausgeführt.

Eigener Übungsauftrag ab AusgangslageSichtbare Seite danachRichtung des A-Pfeils
Flach um 90 Grad im Uhrzeigersinn drehenANach rechts
Flach um 180 Grad drehenAZu Ihnen
Ohne Faltung seitlich umwenden, wie eine BuchseiteBDer Pfeil liegt auf der Unterseite
Ohne Faltung über die obere oder untere Kante umwendenBDer Pfeil liegt auf der Unterseite

Heben Sie beim Wenden das ganze Blatt an, statt es mittig zusammenzuklappen. Die beiden Wendebewegungen zeigen anschließend zwar B, bringen die ursprünglichen Kanten aber unterschiedlich zur Tischkante. Darum genügt bei einer echten Anleitung die Frage „Welche Seite sehe ich?“ noch nicht: Auch die Lage der Kanten muss passen.

Einen häufigen Fehler am Probeblatt erkennen

Stellen Sie sich folgenden Arbeitsauftrag vor: Nach einem Schritt soll das Blatt gewendet werden. Sie drehen es stattdessen flach um 180 Grad. Das Quadrat sieht weiterhin gleich aus, der A-Pfeil zeigt jetzt zu Ihnen, aber A bleibt sichtbar. Die Rückseite wurde nicht erreicht.

Setzen Sie das Probeblatt zurück und führen Sie nun das Wenden aus. B erscheint. Dieser Vergleich erklärt, weshalb eine halbe Drehung auf dem Tisch einen Seitenwechsel nicht ersetzt. An einem echten Zwischenstand vergleichen Sie zusätzlich offene Kanten und die Lage beweglicher Laschen mit dem nächsten Bild.

Dieselbe Falte von beiden Seiten ansehen

Beginnen Sie wieder mit A nach oben. Legen Sie die untere Kante auf die obere und richten Sie die Kanten aus, bevor Sie die Mitte falten. Die beiden A-Hälften liegen nun innen aufeinander. Öffnen Sie die Faltung nur teilweise: Von der A-Seite betrachtet bilden die Hälften eine Rinne, ein Tal.

Betrachten Sie diesen teilweise geöffneten Falz anschließend von der B-Seite, indem Sie das Blatt als Ganzes in die Hand nehmen und umwenden. Knicken Sie den Falz dabei nicht in die Gegenrichtung. Von B aus zeigt dieselbe Kante als Grat nach außen. Tal und Berg beschreiben also die jeweilige Ansichtsseite; der Wechsel des Blicks erzeugt keine zweite Falte.

Die British Origami Society erklärt Talfalte, Bergfalte und das Vorfalten mit anschließendem Öffnen. Sie beschreibt auch, dass eine Bergfaltung durch Wenden als Talfaltung ausgeführt werden kann. Anschließend muss das Papier wieder zur gezeichneten Orientierung passen. Quelle: Valley & Mountain folds (https://www.britishorigami.org/cp-resource/valley-mountain-folds/).

Am angefangenen Modell gezielt nachsehen

Wenn das nächste Bild nicht passt, legen Sie erst die aktuelle Anleitung daneben und prüfen Sie:

  • Ist wirklich die geforderte Seite oben, oder wurde nur flach gedreht?
  • Zeigen offene Kanten und Spitzen in die gezeichnete Richtung?
  • Wird die ganze Arbeit bewegt oder nur eine bezeichnete Lage?
  • Soll eine Faltung bestehen bleiben oder wieder geöffnet werden?

Eine dünne bereits vorhandene Falzlinie ist kein Auftrag, alles erneut zu falten. Prüfen Sie unbekannte Linien und Pfeile in der zugehörigen Legende. Bei der Bergfaltenlinie kommen beispielsweise Striche mit einem oder zwei Punkten vor; allein die Punktzahl entscheidet nicht über einen anderen Falttyp.

Bleibt die Bewegung unklar, lautet eine konkrete Rückfrage etwa: „Soll ich das ganze Modell wenden oder nur diese obere Lasche umlegen?“ Mit Schrittnummer und passender Ausgangslage lässt sich das besser zeigen als durch weitere Falten auf Verdacht.

Quellen und Prüfstand

Quellen inhaltlich geprüft am 23.10.2026. Beschriftung, Übungsaufträge und Fehlersuche sind eigene redaktionelle Lernhilfen.

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