Redaktioneller Ratgeber

Tonschwindung berechnen: Drei Längen statt zwei Prozentzahlen

Der Beitrag

Wenn eine markierte Strecke im weichen Ton 100 mm, nach dem Trocknen 96 mm und nach dem vereinbarten Brand 90 mm lang ist, beträgt die gesamte lineare Schwindung 10 Prozent. Die beiden Teilwerte lauten dagegen 4 Prozent beim Trocknen und 6,25 Prozent beim Brennen. Ihre Summe 10,25 beschreibt den Gesamtverlust nicht richtig, weil die Prozentwerte unterschiedliche Ausgangslängen haben.

Für ein nächstes kleines Projekt im Töpferkurs hilft deshalb eine Probekarte mit drei Längen. Die folgenden Zahlen sind erfunden und dienen ausschließlich dem Rechnen. Sie sind keine Messwerte eines getesteten Tons und keine Vorgabe für Ihr Material.

Mit der Werkstatt eine erkennbare Messstrecke vereinbaren

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Fragen Sie die Kursleitung, ob ein kleiner Probestreifen aus derselben Masse mitgeführt werden kann. Klären Sie gemeinsam, wie er gekennzeichnet, getrocknet und beim vorgesehenen Brand zugeordnet wird. Den Ablauf und die Freigabe übernimmt die Werkstatt.

Bei der von [Digitalfire beschriebenen SHAB-Prüfung](https://digitalfire.com/test/shab) liegen zwei Markierungen am weichen Probestreifen 100 mm auseinander. Später wird jeweils der Abstand zwischen denselben festgelegten Kanten dieser Markierungen gemessen. Die gesamte Außenlänge des Streifens ist eine andere Größe.

Lassen Sie sich vor dem ersten Eintrag zeigen, an welchen beiden Kanten abgelesen wird. Notieren Sie die weiche Ausgangslänge sofort. Ein Foto mit lesbarer Probenkennung kann die Zuordnung ergänzen; die spätere Messung erfolgt wieder an der Probe. Nachträglich gesetzte Markierungen können den verlorenen Ausgangswert nicht rekonstruieren.

Drei Zustände in einer Probekarte festhalten

Für unsere erfundene Probe P1 sieht der Längenteil so aus:

Zustand derselben MessstreckeLänge in mmBedeutung für die Rechnung
Frisch geformt, weich100Ausgangswert vor dem Trocknen
Vollständig trocken, vor dem Brand96Endwert des Trocknens und Ausgangswert des Brennens
Nach dem vereinbarten Brand, abgekühlt90Endwert für Brenn- und Gesamtschwindung

Ergänzen Sie auf Ihrer eigenen Karte die genaue Massebezeichnung, die Probenkennung, die gewählte Messrichtung und die Angaben der Werkstatt zum tatsächlich durchlaufenen Brand. Bei mehreren Proben bekommt jede eine eigene Zeile beziehungsweise Karte. „Der rote Ton“ genügt als Materialkennung nicht, wenn mehrere Massen ähnlich aussehen.

Bezeichnungen im Datenblatt verdienen dieselbe Aufmerksamkeit. SIO-2 führt bei seiner Masse PF beispielsweise 5,5 Prozent Trockenschwindung und 0,6 Prozent Brennschwindung bei 1000 °C getrennt auf. Diese Herstellerwerte gehören zu diesem Material und der genannten Bedingung; unsere Probe P1 steht für keines dieser Produkte. Eine Brenntemperatur wird aus der Rechenkarte nicht ausgewählt.

Jeden Verlust auf seine eigene Ausgangslänge beziehen

Die Trockenschwindung unserer Papierprobe berechnet sich so:

(100 − 96) ÷ 100 × 100 = 4 Prozent.

Für die Brennschwindung ist die bereits trockene Länge maßgeblich:

(96 − 90) ÷ 96 × 100 = 6,25 Prozent.

Die Gesamtschwindung vergleicht die weiche Länge direkt mit der Länge nach dem Brand:

(100 − 90) ÷ 100 × 100 = 10 Prozent.

Das [Keramik-Institut erläutert die Gesamtschwindung](https://www.keramikinstitut.com/glossar.html) ebenfalls über Ausgangs- und Endmaß und weist auf den Unterschied zur Summe der Teilprozente hin. Digitalfire nennt im Variablenabschnitt der SHAB-Prüfung ausdrücklich die trockene Länge als Bezugsgröße der Brennschwindung.

In Millimetern lassen sich die Verluste unserer Probe einfach addieren: 4 mm beim Trocknen und weitere 6 mm beim Brennen ergeben zusammen 10 mm. Bei den Prozenten steht unter dem Bruch jedoch einmal 100 und einmal 96. Genau diesen Wechsel müssen Sie beim Lesen erkennen.

Eine Zielgröße auf dem Papier zurückrechnen

Angenommen, Sie möchten für ein späteres Projekt eine Länge von 120 mm nach dem gleichen gesamten Ablauf abschätzen. In unserem vereinfachten Beispiel bleiben von 100 mm noch 90 mm, also der Faktor 0,90. Die rechnerische weiche Ausgangslänge lautet:

120 ÷ 0,90 = rund 133,3 mm.

Ein bloßer Zuschlag von 10 Prozent auf 120 mm ergäbe 132 mm. Davon bleiben bei demselben angenommenen Faktor 118,8 mm. Der Zuschlag und das Zurückrechnen sind deshalb unterschiedliche Rechenwege.

Diese Ableitung beschreibt nur eine Länge unter einer gleichbleibenden Annahme. Sie garantiert weder einen passenden Deckel noch identische Ergebnisse weiterer Stücke. Besprechen Sie mit der Kursleitung, ob die Probe für Ihr Vorhaben aussagekräftig ist und welche Zugabe oder weitere Probe sinnvoll wäre. Für eine reine Übung reicht es, die Rechnung am Tisch nachzuvollziehen.

Fehlende Angaben sichtbar lassen

Was liegt vor?Was lässt sich daraus bestimmen?Was bleibt offen?
Weich 100 mm und trocken 96 mm4 Prozent TrockenschwindungLänge nach dem Brand und Gesamtschwindung
Weich 100 mm und gebrannt 90 mm10 Prozent GesamtschwindungVerteilung auf Trocknen und Brennen
Nur die gebrannte Länge 90 mmDieser Endwert alleinJede prozentuale Schwindung ohne Ausgangswert

Übertragen Sie diese Fälle auf Ihre Karte, bevor Sie ein leeres Feld mit einer Vermutung füllen. Eine verlorene Probenkennung oder unleserliche Messkante wird als ungeklärt vermerkt. Eine neue, klar zugeordnete Probe lässt sich mit der Werkstatt planen.

Quellen und Stand

Geprüft am 30. Oktober 2026. Probenkennung P1, Zahlen, Tabellen und Zielgrößenrechnung sind eigene redaktionelle Lernbeispiele. Hier geht es um lineare Längenänderung, nicht um Gewichts- oder Volumenverlust.

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