Redaktioneller Ratgeber

Wandergamaschen ab 60: Passform, Verschlüsse und Sitz am Schuh prüfen

Der Beitrag

Gamaschen sind Überzüge für den Bereich zwischen Wanderschuh und Hosenbein. Sie können bei passenden Bedingungen Schmutz oder Schnee vom Schuhabschluss fernhalten. Entscheidend ist jedoch, ob das konkrete Paar zu Ihren Schuhen passt und sich ohne umständliches Hantieren bedienen lässt. Für Wandernde ab 60 lohnt sich deshalb eine ruhige Anprobe zu Hause, bevor die Gamaschen erstmals unterwegs gebraucht werden. Dieser Beitrag erklärt einen Ausrüstungscheck für gewöhnliche Wanderungen. Er ist weder eine Anleitung für alpine Wintertouren noch ein Versprechen, dass Schuhe unter allen Bedingungen trocken bleiben.

Bauart, Größe und Handhabung vor der Anprobe klären

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Was prüfen Sie?Worauf achten Sie?Was probieren Sie aus?
Das Modell nennt eine Größe.Lesen Sie die Tabelle zum Modell.Tragen Sie Ihre üblichen Wanderschuhe.
Die Gamasche hat einen langen Verschluss.Finden Sie seine Öffnungsrichtung.Öffnen und schließen Sie ihn im Sitzen.
Ein Steg verläuft unter dem Schuh.Erkennen Sie die vorgesehene Befestigung.Prüfen Sie seine Einstellmöglichkeit.
Oben lässt sich die Weite ändern.Achten Sie auf erreichbare Bedienteile.Kontrollieren Sie den Sitz ohne starkes Zuziehen.

Gamasche und Wanderschuh als Kombination betrachten

Nicht allein nach einer allgemeinen Schuhgröße auswählen

Legen Sie die Gamaschen, Ihre Wanderschuhe und die Hose bereit, die Sie bei der nächsten kurzen Tour tragen möchten. Lesen Sie die Größentabelle des konkreten Modells. Je nach Hersteller können Schuhgröße, Wadenumfang oder weitere Maße wichtig sein. Ein Größenbuchstabe wie M ist keine einheitliche Passformgarantie. Deuter führt für sein Modell Gaiter unterschiedliche Wadenumfangsbereiche und Höhen auf. Quelle: [Deuter, Gaiter und modellbezogene Größenangaben](https://www.deuter.com/de-de/gaiter/3932025).

Probieren Sie das Paar mit den tatsächlichen Schuhen an, nicht nur über dünnen Hausschuhen. Ein voluminöser Wanderschuh verändert den verfügbaren Platz im unteren Bereich. Auch der Hosenstoff unter der Gamasche gehört zur Anprobe. Der Verschluss soll sich ohne Ziehen am ganzen Bein schließen lassen; ein stark gespannter Überzug ist kein guter Ersatz für eine passende Größe. Können Sie die Größenangabe nicht sicher zuordnen, fragen Sie mit Modellbezeichnung und Schuhinformationen beim Hersteller oder im Fachgeschäft nach.

Kontrollieren Sie zunächst, ob beide Gamaschen zusammengehören und unbeschädigt sind. Suchen Sie gegebenenfalls eine Kennzeichnung für links und rechts. Manche Bauarten unterscheiden sich in der Position von Schnallen oder Verschlüssen. Drehen Sie eine Gamasche nicht einfach so lange, bis ein Bedienteil irgendwie erreichbar ist: Die vorgesehenen Befestigungspunkte müssen zur Orientierung am Schuh passen.

Verschluss und Einstellteile ohne Zeitdruck kennenlernen

Das eigene System statt einer fremden Schaltfolge lernen

Öffnen Sie die Gamasche zunächst vollständig und betrachten Sie die Teile auf einem hellen Tisch. Wo wird der lange Verschluss geschlossen? Wie arbeitet der obere Abschluss? Wo sitzt die Einstellung des Stegs unter dem Schuh? Große, gut sichtbare Bedienteile sind praktisch, ersetzen aber nicht den eigenen Bedienversuch. Wenn Sie dünne Handschuhe tragen möchten, probieren Sie die Handgriffe auch damit aus.

Die Bauarten unterscheiden sich. Deuter beschreibt bei seinem Gaiter einen durchgehenden Klettverschluss, einen oberen Kordelzug, einen unteren Haken und ein Band unter dem Schuh. Die Watzmann III von VAUDE besitzt dagegen unter anderem einen seitlichen Reißverschluss und einen verstellbaren Steg. Das sind Beispiele, keine Kaufempfehlungen. Quellen: [Deuter, Ausstattung des Gaiter](https://www.deuter.com/de-de/gaiter/3932025) und [VAUDE, Watzmann III](https://www.vaude.com/de/de/41531-watzmann-iii-gamaschen.html).

Bedienen Sie einen unbekannten Verschluss nicht mit Gewalt. Prüfen Sie bei Widerstand, ob Stoff eingeklemmt ist oder Teile falsch ausgerichtet sind. Suchen Sie die zum Modell gehörende Anleitung; ein ähnlich aussehendes Paar kann anders funktionieren. Wenn ein Verschluss zu Hause kaum erreichbar ist, wird er auf einem feuchten Waldweg nicht automatisch einfacher. Klären Sie die Handhabung vor dem Ausflug.

Gamaschen in Ruhe anlegen und mit wenigen Schritten prüfen

Ein aktives Paar über 60 beim Wandern in einer deutschen Mittelgebirgslandschaft

Einen festen Sitzplatz und freie Hände vorbereiten

Erst Schuhe schnüren, dann die Befestigung nach Anleitung durchführen

Nutzen Sie einen stabilen Stuhl, von dem aus Sie den Schuhbereich gut erreichen. Stellen Sie beide Füße auf einen festen Boden und legen Sie die Gamaschen griffbereit ab. Ein Rucksack auf dem Rücken, lose Gegenstände zwischen den Füßen oder das Balancieren auf einem Bein machen die Aufgabe unnötig umständlich. Wenn Sie sich weit nach vorn beugen müssten, bitten Sie um Hilfe oder wählen Sie eine besser erreichbare Sitzposition.

Ziehen Sie die Wanderschuhe an und schnüren Sie sie wie gewohnt. Legen Sie anschließend die Gamaschen entsprechend der Modellanleitung über Schuhabschluss und Hosenbein. Prüfen Sie bei einem Paar mit Schnürsenkelhaken, wo dieser vorgesehen ist. Der Haken ist nicht dazu gedacht, ein offenes Schuhband irgendwie festzuhalten. Bevor Sie den Überzug schließen, müssen die Schnürsenkel ordentlich gebunden und ihre Enden verstaut sein.

Ordnen Sie den unteren Steg nur in der vom Hersteller vorgesehenen Weise an. Bei manchen Systemen wird seine Länge an einer Schnalle eingestellt, bei anderen an einer innenliegenden Befestigung. Outdoor Research zeigt in seiner Anleitung unterschiedliche Verfahren für verschiedene Gamaschenserien. Quelle: [Outdoor Research, modellabhängige Einstellung von Wandergamaschen](https://www.outdoorresearch.com/pages/how-to-set-up-hiking-gaiters). Übernehmen Sie keine Lochposition oder Zugrichtung eines fremden Modells.

Abschluss, Steg und Bewegungsfreiheit kontrollieren

Lose Enden sichern, bevor Sie aufstehen

Kontrollieren Sie den langen Verschluss über seine gesamte Länge. Er soll entsprechend seiner Konstruktion geschlossen sein, ohne eingeklemmten Hosenstoff. Stellen Sie den oberen Abschluss so ein, dass die Gamasche an ihrem vorgesehenen Platz bleibt, ohne unangenehm zu drücken. Ein immer festerer Zug ist nicht die Lösung für jede rutschende Gamasche. Prüfen Sie stattdessen Größe, Orientierung und Befestigung zusammen.

Sehen Sie nach, ob der Steg ordentlich befestigt ist und ob Schnallen, Kordeln oder Bandenden gemäß Anleitung verstaut sind. Outdoor Research erläutert bei seinen klassischen Schnallensystemen ausdrücklich, dass das freie Stegende wieder in die Halteschlaufe gehört. Quelle: [Outdoor Research, Befestigung und Halteschlaufen](https://www.outdoorresearch.com/pages/how-to-set-up-hiking-gaiters). Lassen Sie kein Ende frei über den Boden schleifen oder zwischen den Schuhen pendeln.

Stehen Sie erst auf, wenn beide Seiten fertig angelegt sind. Gehen Sie einige ruhige Schritte auf einer freien, ebenen Fläche und setzen Sie sich danach wieder hin. Hat sich ein Abschluss verschoben? Reibt eine Stelle, spannt der Stoff beim Schritt oder behindert ein loses Teil die Bewegung? Korrigieren Sie den Sitz im Stand nicht mit einem Fuß in der Luft. Für weitere Einstellungen nehmen Sie wieder Platz. Bleibt die Kombination unbequem oder unsicher bedienbar, verwenden Sie sie nicht für die geplante Wanderung.

Einsatzgrenzen, Reinigung und Lagerung berücksichtigen

Unterwegs bei Bedarf anhalten und den Sitz erneut prüfen

Gamaschen nicht mit einer sicheren Wegwahl verwechseln

Wenn Sie unterwegs nachstellen müssen, halten Sie an einer ausreichend breiten, festen Stelle außerhalb des Durchgangs an. Ein schmaler Weg, eine rutschige Böschung oder eine Stelle mit Gegenverkehr ist kein geeigneter Platz, um Verschlüsse am Schuh zu bearbeiten. Warten Sie auf einen passenden Abschnitt oder einen festen Sitzplatz. Nehmen Sie sich dort Zeit und kontrollieren Sie anschließend beide Seiten.

Eine Gamasche ist keine Abdichtung des gesamten Schuhs. Sie macht einen ungeeigneten Schuh nicht passend, schafft keinen Halt auf Eis und ist keine Freigabe zum Durchqueren tiefer Pfützen oder Bäche. Wasserabweisende Ausrüstung und wasserdicht beschriebene Materialien dürfen zudem nicht unterschiedslos gleichgesetzt werden. Lesen Sie die Angaben Ihres Modells und planen Sie den Weg weiterhin nach Untergrund und Bedingungen.

Auf einem trockenen, gut ausgebauten Weg ist dieses zusätzliche Ausrüstungsstück möglicherweise gar nicht erforderlich. Beurteilen Sie seinen Nutzen für die konkrete Runde, statt es allein wegen des Alters immer zu tragen. Wenn es zu warm, hinderlich oder schwer zu bedienen ist, halten Sie an einem geeigneten Ort an und entscheiden Sie in Ruhe über Ablegen oder Rückkehr. Bewahren Sie abgelegte Gamaschen so auf, dass schmutzige Teile nicht lose neben Ihrem Proviant liegen.

Nach der Tour Schäden und Pflegehinweise gemeinsam prüfen

Erst sauber und vollständig trocken einräumen

Legen Sie benutzte Gamaschen auf eine geeignete, gut erreichbare Unterlage. Entfernen Sie losen Schmutz behutsam und prüfen Sie besonders Steg, Haken, Nähte und Verschlüsse. Ein stark abgenutztes Band oder ein Verschluss, der nicht mehr zuverlässig hält, muss vor dem nächsten Einsatz geklärt werden. Reparieren Sie eine untere Befestigung nicht improvisiert mit einem langen, frei hängenden Stück Schnur.

Lesen Sie die Pflegekennzeichnung vor einer gründlichen Reinigung. VAUDE nennt für die Watzmann III beispielsweise Maschinenwäsche bei 30 °C im Pflegeleichtprogramm und schließt unter anderem Trockner, Bügeln und Bleichen aus. Diese Angaben gelten für dieses Modell, nicht automatisch für alle Gamaschen. Quelle: [VAUDE, Material und Pflege der Watzmann III](https://www.vaude.com/de/de/41531-watzmann-iii-gamaschen.html). Waschen oder behandeln Sie Ihr eigenes Paar nur nach seiner Freigabe.

Lassen Sie die Gamaschen nach den vorgesehenen Pflegehinweisen vollständig trocknen, bevor Sie sie gefaltet in eine Tasche legen. Kontrollieren Sie beim Einräumen, ob beide Stücke beisammen sind und keine losen Teile fehlen. Notieren Sie bei Bedarf nur die Modellbezeichnung und die passende Anleitung. Beim nächsten Ausflug beginnt der Check dann mit einer bekannten Kombination aus Schuh, Hose und Gamasche, nicht mit einer hastigen ersten Anprobe am Wegesrand.

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