Windwerte vor der Wanderung: Mittelwind und Spitze getrennt lesen
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18 km/h Mittelwind und 42 km/h Windspitze beschreiben unterschiedliche Eigenschaften des Windes. Die Spitze ist bereits eine Geschwindigkeit; sie wird nicht zum Mittelwert addiert. In diesem erfundenen Zahlenpaar lautet die Spitze also 42 km/h. Für die Einordnung brauchen Sie außerdem den Messzeitraum und die Erklärung des jeweiligen Wetterprodukts.
Vor einer Wanderung lohnt sich diese Prüfung besonders dann, wenn eine Karte oder Tabelle mehrere Windzahlen nebeneinander zeigt. Die folgende Leseübung verwendet keine heutigen Stationswerte und keine reale Tour. Sie erklärt Messangaben; aus ihnen wird keine persönliche Windgrenze abgeleitet.
Bei der Zahl zuerst die Feldbezeichnung lesen

Ein Mittelwert fasst einen Zeitraum zusammen. Eine Spitze beschreibt einen kurzen stärkeren Abschnitt innerhalb des dafür ausgewerteten Zeitfensters. Für beide Angaben gehören Einheit und zeitliche Definition zum Wert. Ein Feld mit der Überschrift „Wind“ erklärt diese Einzelheiten möglicherweise erst über seine Legende.
Ein amtliches Beispiel liefern die Produktlegenden im Schweizer Geoportal: [MeteoSchweiz, Windgeschwindigkeit als Zehnminutenmittel](https://api3.geo.admin.ch/rest/services/api/MapServer/ch.meteoschweiz.messwerte-windgeschwindigkeit-kmh-10min/legend) und [MeteoSchweiz, Einsekunden-Böenspitze innerhalb von zehn Minuten](https://api3.geo.admin.ch/rest/services/api/MapServer/ch.meteoschweiz.messwerte-wind-boeenspitze-kmh-10min/legend). Beide Produkte führen km/h als Einheit und eine Aktualisierung alle zehn Minuten auf.
Hier haben „eine Sekunde“, „zehn Minuten Messfenster“ und „zehn Minuten Aktualisierungsrhythmus“ verschiedene Aufgaben. Die erste Angabe gehört zur erfassten Spitze, die zweite zum ausgewerteten Abschnitt, die dritte zur Bereitstellung neuer Daten. Ein häufigeres Neuladen am Telefon verändert diese Produktdefinitionen nicht.
Die Zeitdefinition gilt für das konkrete Produkt
Übertragen Sie das Zehnminutenbeispiel nicht auf jede andere Windkarte. Das [WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF](https://www.slf.ch/de/lawinenbulletin-und-schneesituation/messwerte/details-zur-windmessung/) erläutert für seine dargestellten Stationswerte einen vektoriellen Mittelwert über 30 Minuten. Die Windspitze ist dort die stärkste Fünfsekunden-Böe innerhalb dieser halben Stunde.
„Vektoriell“ weist darauf hin, dass auch die Richtung in die Mittelung eingeht. Für unseren Leseschritt genügt: Zwei Werte aus unterschiedlich definierten Produkten sind noch kein sauberer Vergleich, selbst wenn beide in km/h stehen. Notieren Sie Anbieter, Messfenster und Spitzenbeschreibung, bevor Sie Zahlen verschiedener Ansichten gegenüberstellen.
Ebenso braucht eine Windvorhersage ihre eigene Erklärung. Ein zurückliegendes Stationsintervall bestätigt nicht, welcher Wind auf dem späteren Rückweg auftreten wird. Prüfen Sie zuerst, ob Ihre Ansicht Messwerte oder eine Prognose zeigt.
Zwei erfundene Messzeilen vergleichen
Für diese Papierübung nehmen wir eine einzige fiktive Station mit gleichbleibender Produktdefinition an: Mittelwind über jeweils zehn Minuten, höchste Einsekunden-Spitze innerhalb desselben Abschnitts, alle Geschwindigkeiten in km/h. Beide Zeilen gehören zum selben erfundenen Tag und derselben Zeitbasis. Sie bilden weder eine echte Station noch eine bestimmte App ab.
| Messabschnitt | Mittelwind | Windspitze | Was beim Vergleich auffällt |
|---|---|---|---|
| A: 09:00–09:10 Uhr | 18 km/h | 42 km/h | Niedrigerer Mittelwert, höhere Spitze. |
| B: 09:10–09:20 Uhr | 24 km/h | 36 km/h | Höherer Mittelwert, niedrigere Spitze. |
Von A zu B steigt der Mittelwert um 6 km/h. Die Spitze sinkt zugleich um 6 km/h. Der Satz „Bei B ist der Wind stärker“ wäre deshalb ohne Bezeichnung der gemeinten Größe ungenau. Schreiben Sie stattdessen: „Der Mittelwind ist höher, die gemeldete Spitze niedriger.“
Auch 18 plus 42 ergibt keinen zusätzlichen Windwert für A. Die Summe 60 km/h gehört nicht zur vorgegebenen Messzeile. Ebenso wenig besagt der Mittelwert, dass es während aller zehn Minuten gleichmäßig mit 18 km/h geweht hätte.
Decken Sie zum Üben die letzte Spalte ab. Vergleichen Sie zuerst nur die beiden Mittelwerte und danach nur die Spitzen. Markieren Sie anschließend die Zeitfenster. Aus den beiden Zeilen lässt sich weder die genaue Sekunde der stärksten Böe noch die Zahl der Böen rekonstruieren. Die Tabelle liefert diese Informationen nicht.
Stationslage und Bezugshöhe ergänzen
Die [DWD-Windwarnskala](https://wettergefahren.de/warnungen/windwarnskala.html) erklärt ihre Beaufort-Tabelle mit mittleren Windgeschwindigkeiten in ungefähr zehn Metern Höhe über offenem, flachem Gelände. Diese Höhe über dem Boden ist etwas anderes als die geografische Höhenlage eines Bergstandorts.
Die SLF-Erklärung beschreibt ihre Stationsauswahl dagegen als aussagekräftig für Windverhältnisse nahe an Graten. Ein Bergmesspunkt und eine geschützte Talstelle lassen sich daher nicht allein nach der Entfernung auf der Karte austauschen. Halten Sie Stationsname, Lage und die Beschreibung des Produkts zusammen fest.
Verwenden Sie die Beispiele der Quellen nicht als Aussage über das heutige Wetter an Ihrem Wanderziel. Sie zeigen, welche Bezugsangaben beim Lesen wichtig sind. Es wird hier auch kein Messwert rechnerisch auf einen Waldweg, eine Brücke oder einen Gipfel übertragen.
Einen kurzen Datensatz für die eigene Planung notieren
Eine eigene Lesekarte kann sechs Felder enthalten:
- Anbieter und Produkt: Welche Ansicht habe ich geöffnet?
- Ort: Welche Station beziehungsweise welcher Vorhersagepunkt ist gemeint?
- Datenart: Gemessen oder vorhergesagt?
- Zeit: Welcher Abschnitt und welche Zeitbasis stehen beim Wert?
- Größe: Mittelwind oder Spitze, mit welcher Definition und Einheit?
- Informationsstand: Wann wurden die Daten bereitgestellt und wann habe ich sie angesehen?
Bleibt eine Definition offen, markieren Sie die Frage, statt einen fehlenden Wert zu schätzen. Ergänzen Sie für den tatsächlichen Aufenthalt den Wetterbericht, die passende Vorhersage und amtliche Warntexte. Der verlinkte Warnungsratgeber führt durch den Abgleich mit Gebiet und geplanter Rückkehr; der Radarartikel ergänzt die Unterscheidung von Messung und berechneter Entwicklung.
Quellen inhaltlich geprüft am 29.10.2026. Messzeilen, Vergleichsaufgabe und Lesekarte wurden redaktionell entwickelt. Es wurden keine Wetterstation besucht, keine Windmessung durchgeführt und keine Wanderung oder Anwendung praktisch getestet.
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