Kompass-Missweisung: Von 84 Grad magnetisch zu 90 Grad geografisch
Der Beitrag
84 Grad am unkorrigierten Kompass können dieselbe Richtung beschreiben wie 90 Grad mit geografischem Nordbezug. Bei einer angenommenen Missweisung von 6 Grad Ost gilt: 84 + 6 = 90. Entscheidend sind der Nordbezug und die Frage, in welche Richtung Sie umrechnen. Eine bereits berücksichtigte Korrektur wird nicht ein zweites Mal angewendet.
Für die Vorbereitung auf einen Wander- oder Kartenkurs können Sie diesen Unterschied auf Papier nachvollziehen. Alle Zahlenbeispiele hier sind erfunden. Die 6 Grad sind kein aktueller Wert für Deutschland oder Ihren Ausflugsort; es wird keine echte Route vorgegeben.
Erst den Bezug neben die Zahl schreiben

Magnetisch Nord und geografisch Nord sind verschiedene Richtungsbezüge. Ihr Winkelunterschied heißt Missweisung oder Deklination. NOAA/NCEI erläutert die Vorzeichen: Ost wird positiv, West negativ notiert; der Wert hängt von Ort und Zeitpunkt ab. Quelle: [NOAA/NCEI, Magnetic Declination](https://www.ncei.noaa.gov/products/magnetic-declination).
Schreiben Sie deshalb auf dem Übungsblatt „magnetisch“ oder „geografisch“ neben jeden Richtungswinkel. Eine einzelne Notiz „84°“ lässt die wichtigste Frage offen. Wir verwenden Winkel im Uhrzeigersinn ab dem jeweiligen Norden; 90 Grad liegen jeweils eine Vierteldrehung davon entfernt.
Der Kartenrand gehört ebenfalls zur Vorbereitung. [Suunto erklärt zusätzlich den möglichen Unterschied zum Gitternord](https://www.suunto.com/en-us/Support/Compasses-feature-index/Understanding-declination-correction/). Übernehmen Sie daher nicht die Annahme, jede senkrechte Gitterlinie einer Wanderkarte zeige geografisch Nord. Prüfen Sie die Erklärung des konkreten Blatts. Die folgenden Rechnungen behandeln ausschließlich magnetisch und geografisch bezogene Winkel, keinen Gitterwinkel.
Zwei Fragen, zwei Rechenrichtungen
NOAA beschreibt die Umrechnung zum geografischen Winkel als magnetischen Winkel plus Missweisung mit ihrem Vorzeichen. Die umgekehrte Rechnung ergibt sich durch Abziehen derselben vorzeichenbehafteten Zahl:
- Magnetisch → geografisch: magnetischer Winkel + Missweisung.
- Geografisch → magnetisch: geografischer Winkel − Missweisung.
Auch [USGS erklärt, warum Ablesen und Vorgeben einer Richtung unterschiedliche Rechenrichtungen verlangen](https://www.usgs.gov/educational-resources/why-am-i-adding-one-situation-subtracting-another). Einer Merkregel wie „Ost immer abziehen“ fehlt ohne die Ausgangsfrage ein wesentlicher Teil.
Drei eigene Rechenkarten
Die Tabelle gilt für nicht bereits korrigierte magnetische Angaben. Halten Sie die beiden angenommenen Orte A und B getrennt.
| Karte und Annahme | Ausgangsangabe | Gesuchte Angabe und Rechnung |
|---|---|---|
| A: Missweisung 6° Ost, also +6° | 84° magnetisch | Geografisch: 84° + 6° = 90°. |
| A: dieselben +6° | 90° geografisch | Magnetisch: 90° − 6° = 84°. |
| B: Missweisung 6° West, also −6° | 90° geografisch | Magnetisch: 90° − (−6°) = 96°. |
Decken Sie die letzte Spalte ab und lösen Sie jede Zeile einzeln. Lesen Sie zuerst Ausgangsbezug und gesuchten Bezug laut oder für sich. Schreiben Sie dann das Vorzeichen der Missweisung hinzu. Erst danach folgt die Rechnung. Das ist eine redaktionelle Lernaufgabe am Tisch, kein protokollierter Kompasstest.
Prüfen Sie die West-Zeile rückwärts: 96 Grad magnetisch zuzüglich der Missweisung −6 Grad ergeben 90 Grad geografisch. Schreiben Sie anschaulich „96 − 6 = 90“. Wenn Sie stattdessen für beide Orte ungeprüft 84 Grad einsetzen, behandeln Sie Ost und West fälschlich gleich.
Was passiert an der Nullgrenze?
Richtungswinkel laufen im Kreis. Eine weitere fiktive Karte mit +6 Grad und 358 Grad magnetisch ergibt zunächst 364 Grad geografisch. Nach Abzug einer vollen Umdrehung sind es 4 Grad. Umgekehrt gehören bei +6 Grad zu 4 Grad geografisch die magnetischen 358 Grad: 4 − 6 = −2, plus 360 ergibt 358.
Diese Beispiele prüfen nur die Zuordnung der Zahlen. Sie bestätigen weder Standort noch Wegzustand oder eine freie Querung im Gelände.
Schon korrigiert? Vor einer zweiten Rechnung anhalten
Suunto unterscheidet eine feste Zusatzskala von einer einstellbaren Deklinationskorrektur. Eine Zusatzskala ist keine automatisch erledigte Korrektur. Eine korrekt eingerichtete verstellbare Korrektur kann das zusätzliche Umrechnen dagegen übernehmen. Die Handhabung wird am konkreten Modell nach dessen Anleitung geklärt.
Angenommen, die Anzeige berücksichtigt die +6 Grad bereits und liefert 90 Grad geografisch. Weitere 6 Grad hinzuzurechnen ergäbe fälschlich 96 Grad. Notieren Sie in diesem Fall „bereits geografisch korrigiert“, statt die Rechnung der ersten Tabellenzeile erneut anzuwenden. Ist der Einstellungszustand unbekannt, bleibt die Umrechnung offen.
Für den Kurs können Sie vier Felder vorbereiten: Kartenblatt und Nordbezug; Quelle, Ort und Datum des Missweisungswerts; Kompassmodell und vorhandene Einstellung; Ausgangs- und Zielbezug Ihrer Rechnung. Lassen Sie fehlende Angaben leer. Drehen Sie keine Korrekturschraube auf Verdacht, um zwei Anzeigen passend zu machen.
Die verlinkten Beiträge zum Kartenausrichten und zu magnetischen Störungen helfen bei anderen Fragen der Vorbereitung. Die Papieraufgabe hier ersetzt keine angeleitete Navigation und prüft keinen Kompass auf Funktionsfähigkeit.
Quellenstand und Abgrenzung
Geprüft am 30.10.2026: die oben verlinkten Erläuterungen von NOAA/NCEI, USGS und Suunto. NOAA liefert Vorzeichen und Umrechnungsbeziehung, USGS erklärt die zwei Rechenrichtungen, Suunto die Korrekturarten und den zusätzlichen Kartenbezug. Rechenkarten, Rückrechnung, Nullgrenzenbeispiel und Kurszettel sind redaktionelle Lernhilfen. Es wurden keine Ortswerte bestimmt, Geräte getestet oder Wanderungen durchgeführt.
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