Redaktioneller Ratgeber

Aquarell-Lasur: Ein Blattmotiv mit zwei Farbschichten gestalten

Der Beitrag

Eine zweite transparente Farbschicht kann einem kleinen Aquarell mehr Tiefe geben. Für den Einstieg genügt ein einzelnes Laubblatt als Motiv: Eine Seite behält den ersten Farbauftrag, die andere bekommt nach vollständigem Trocknen eine weitere Schicht. So lässt sich am selben Bild beobachten, was die Lasur verändert.

Die Blattstudie passt an den Maltisch oder einen vorbereiteten Platz im Freien. Legen Sie Aquarellpapier, einen vorhandenen lasierenden Farbton, Pinsel, Wasser und eine feste Unterlage bereit.

Was bei einer Lasur übereinanderliegt

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Canson bezeichnet den Farbauftrag über eine bereits trockene Aquarellfläche als Lasur, auf Englisch „glazing“. Auf noch feuchtem Untergrund kann sich die neue Farbe dagegen verlaufend ausbreiten. Die Trockenphase gehört deshalb zur geplanten Technik. Quelle: [Canson, Basic concepts for painting with watercolors](https://en.canson.com/expert-advice/basic-concepts-painting-watercolors).

Für diese Übung wird die zweite Schicht auf die trockene erste gemalt. Eine neue Farbmischung in der Palette ist ein anderer Vorgang. Hier können Sie denselben vorhandenen lasierenden Farbton für beide Schichten verwenden. Dadurch kommt zur Schichtung nicht gleichzeitig ein zweiter Farbton als weitere Entscheidung hinzu.

Das Blattmotiv in drei Bereiche planen

Nehmen Sie ein eigenes Foto eines Laubblatts als Anregung oder zeichnen Sie eine frei erfundene, einfache Blattform. Ein längliches Oval mit Spitze genügt. Legen Sie das Motiv so groß an, dass Sie mit Ihrem Pinsel bequem darin arbeiten können. Blattrandzacken und feine Adern bleiben zunächst weg.

Planen Sie drei zusammenhängende Bereiche. Die Buchstaben kommen neben das Motiv auf den freien Rand, damit sie später noch lesbar sind.

KennungVorgesehener AuftragLage in unserer freien Blattstudie
WPapier bleibt unbemaltEine gut erkennbare helle Stelle am oberen Rand
GNur die GrundschichtLinker Teil des Blatts
SGrundschicht und später eine zweite dünne SchichtRechter Teil des Blatts

Wählen Sie die helle Stelle großzügig. Die geplante Lichtverteilung darf vereinfacht sein; feine Linien sind für diesen Vergleich unnötig.

Die erste Schicht setzen und die Pause nutzen

Bereiten Sie etwas verdünnte Farbe auf der Palette vor. Malen Sie zunächst eine kleine Probe auf ein Reststück desselben Papiers. Gefällt Ihnen der dünne Auftrag, füllen Sie das Blattmotiv in einer ersten Lage aus und sparen W aus. G und S erhalten in diesem Schritt denselben Grundauftrag.

Lassen Sie die Fläche vollständig trocknen. Eine feste Wartezeit in Minuten passt nicht für jede Malfläche. Wenn Sie den Zustand noch nicht sicher beurteilen können, warten Sie weiter. Unterdessen können Sie die Form betrachten, die Farbbezeichnung am Rand ergänzen oder das benutzte Material ordnen.

Derwent beschreibt Lasuren ausdrücklich auf vollständig getrockneter Ausgangsfarbe. Eine transparente weitere Lage kann den vorhandenen Farbton vertiefen oder, mit einer anderen Farbe, seinen Farbcharakter verändern. Quelle: [Derwent, Watercolour Paint Top Tips, Punkt 4](https://www.derwentart.com/en-gb/c/inspiration/tips-and-guides/paint-tips-and-guides/watercolour-paint-top-tips).

Die zweite Lage auf S begrenzen

Beginnen Sie auf der trockenen Restprobe mit einer dünnen weiteren Lage Ihrer Farbe. Gehen Sie beim Blattmotiv anschließend nur über S. W bleibt frei, G bekommt keinen zweiten Auftrag. Versuchen Sie, die Fläche ruhig zu setzen, statt dieselbe Stelle immer wieder mit dem Pinsel zu bearbeiten.

Eine trockene Aquarellschicht ist nicht automatisch gegen jedes Wiederanlösen geschützt. Schmincke erklärt, dass sich bereits aufgetragenes Pigment je nach Farbton unterschiedlich leicht wieder vom Papier lösen lässt; die dort beschriebenen Staining-Stufen betreffen diese Verankerung. Quelle: [Schmincke, FAQ, „Was ist mit Staining gemeint?“](https://www.schmincke.de/service-kontakt/faq).

Falls sich beim Übermalen die untere Farbe sichtbar mitbewegt, setzen Sie zunächst ab. Auf einem Reststück können Sie den Auftrag später vorsichtiger untersuchen. Das beobachtete Verhalten allein beweist weder eine zu kurze Trockenpause noch eine schlechte Papierqualität.

Nach dem Trocknen auf den Unterschied schauen

Vergleichen Sie W, G und S erst nach dem Trocknen der zweiten Lage. Ist der Unterschied zwischen G und S für Ihre Bildidee deutlich genug? Bleibt die Grundfarbe im übermalten Bereich erkennbar? Hat der Übergang die beabsichtigte Form?

Schreiben Sie eine Beobachtung auf, etwa „rechte Hälfte stärker als beabsichtigt“. Für ein weiteres Blatt ändern Sie dann gezielt nur einen Punkt, beispielsweise den verdünnten Auftrag der zweiten Lage.

Die kleine Blattstudie darf mit diesen zwei Schichten fertig sein. Unterwegs können Sie nach der Grundschicht aufhören und später am selben trockenen Blatt weiterarbeiten. Lassen Sie eine feuchte Bildfläche beim Einpacken unberührt und planen Sie den Transport am eingerichteten Malplatz mit ein.

Quellen und Prüfstand

Geprüft am 24.10.2026. Die verlinkten Herstellertexte erläutern Lasurtechnik, transparente Schichten und das Wiederanlösen von Pigmenten. Das Blattmotiv mit den Bereichen W, G und S sowie die Vergleichsfragen stammen von der Redaktion.

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