Bauernumwandlung im Schach: Dame oder Turm am letzten Feld?
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Erreicht ein Bauer die letzte Reihe, wird er im selben Zug durch eine Dame, einen Turm, einen Läufer oder einen Springer seiner Farbe ersetzt. Die Dame ist eine erlaubte Wahl, aber keine Pflicht. In der kleinen Übungsstellung unten führt sie sogar sofort zum Patt, während ein Turm einen weiteren schwarzen Zug zulässt.
Für eine Lernrunde am Tisch brauchen Sie ein Brett mit lesbaren Koordinaten, zwei Könige, einen weißen Bauern sowie eine weiße Dame und einen weißen Turm zum Austauschen. Die Aufgabe ist eine redaktionell zusammengestellte Stellung, keine dokumentierte Partie und kein versprochener Gewinnweg.
Auf welchem Feld findet der Austausch statt?

Weiß erreicht mit einem Bauern die achte Reihe, Schwarz die erste. Für die Feldzuordnung kann man sich etwa c7 nach c8 beziehungsweise f2 nach f1 vorstellen: jeweils gerade auf ein freies Zielfeld, sofern der Zug auch sonst erlaubt ist. Zum Umwandeln wird der Bauer vom Brett genommen und die gewählte gleichfarbige Figur auf sein Ankunftsfeld gesetzt.
Die [FIDE-Regeln, Artikel 3.7.3.3 bis 3.7.3.5](https://handbook.fide.com/chapter/E012023), bestimmen den Austausch als Bestandteil desselben Zuges. Die neue Figur wirkt unmittelbar. Ihre Auswahl hängt nicht davon ab, welche Figuren zuvor geschlagen wurden. Sie dürfen deshalb beispielsweise eine weitere Dame wählen, obwohl die ursprüngliche Dame noch auf dem Brett steht. Ein zweiter König gehört nicht zu den Möglichkeiten.
Der [Bauernkurs des Deutschen Schachbundes, Abschnitt „Die Umwandlung“](https://www.schachbund.de/schachkurs-bauer.html), erklärt ebenfalls das sofortige Ersetzen. Den Bauern auf der letzten Reihe stehen zu lassen und erst beim nächsten eigenen Zug auszutauschen ist kein zulässiger Ablauf. Legen Sie für die ruhige Übung die benötigte Ersatzfigur vorher neben das Brett.
Den Aufbau einmal vollständig kontrollieren
Räumen Sie alle Figuren ab und bauen Sie diese drei auf:
| Farbe | Figur | Feld vor dem weißen Zug |
|---|---|---|
| Weiß | König | c6 |
| Weiß | Bauer | c7 |
| Schwarz | König | a7 |
Alle anderen Felder sind leer. **Weiß ist am Zug.** Das Feld c8 ist frei, und der weiße König steht nicht im Schach. Der Bauer kann nach c8 ziehen und sich dort umwandeln. Betrachten Sie nun zwei getrennte Versuche, jeweils von diesem Ausgangsaufbau aus.
Schreiben Sie die drei Felder auf eine kleine Aufbaukarte. Zwischen den Versuchen kommen Bauer und Könige genau auf diese Plätze zurück. Die zweite Variante ist keine Fortsetzung eines bereits beendeten Patts und kein Zurücknehmen eines Zuges in einer gespielten Partie.
Versuch A: Die Dame nimmt dem Gegner alle Züge
Ziehen Sie den weißen Bauern von c7 nach c8 und ersetzen Sie ihn sofort durch die weiße Dame. Jetzt stehen Weiß: König c6, Dame c8; Schwarz: König a7. **Nun ist Schwarz am Zug.**
Prüfen Sie zuerst das Standfeld a7: Die Dame c8 greift es weder entlang einer Reihe oder Linie noch auf einer Diagonale an. Der weiße König c6 ist ebenfalls nicht benachbart. Schwarz steht also nicht im Schach.
Von a7 aus liegen fünf Nachbarfelder auf dem Brett. Jedes davon ist gesperrt:
| Mögliches schwarzes Königsfeld | Angriff in dieser Stellung |
|---|---|
| a8 | Die Dame c8 wirkt über b8 entlang der achten Reihe. |
| b8 | Die Dame c8 wirkt auf derselben Reihe. |
| b7 | Der weiße König c6 greift das Nachbarfeld an. |
| b6 | Der weiße König c6 greift das Nachbarfeld an. |
| a6 | Die Dame c8 wirkt diagonal über b7 nach a6. |
Schwarz besitzt keine weitere Figur, mit der ein erlaubter Zug möglich wäre. Kein Schach und kein erlaubter Zug bedeutet hier **Patt**. Die Partie ist damit unmittelbar unentschieden, entsprechend FIDE-Artikel 5.2.1. Weiß bekommt trotz der Dame keinen weiteren Versuch, noch Matt zu setzen.
Versuch B: Der Turm lässt a6 frei
Stellen Sie erneut König c6, Bauer c7 und schwarzen König a7 auf. Weiß zieht wieder c7 nach c8, ersetzt den Bauern diesmal aber durch den weißen Turm. Anschließend ist Schwarz am Zug.
Der Turm c8 greift a7 nicht an. a8 und b8 liegen zwar weiterhin auf seiner achten Reihe; b7 und b6 werden weiterhin vom weißen König c6 kontrolliert. **a6 bleibt jedoch frei von weißen Angriffen:** Ein Turm zieht nicht diagonal, und der weiße König c6 erreicht a6 nicht mit einem einzelnen Königsschritt.
Schwarz darf daher den König von a7 nach a6 setzen. Die Stellung nach der Turmumwandlung ist kein Patt. Damit ist nur dieser unmittelbare Unterschied bewiesen; der Versuch liefert keine vollständige Anleitung zum späteren Mattsetzen.
Vor der Wahl die entstehende Stellung betrachten
Vergleichen Sie beide Ergebnisbilder nebeneinander auf Papier: einmal weiße Dame c8, einmal weißer Turm c8, dazu jeweils die beiden Könige. Markieren Sie nur das Feld a6. So wird sichtbar, welcher zusätzliche Damenangriff im ersten Versuch das Patt auslöst.
Für die nächste Umwandlungsaufgabe können Sie drei Fragen notieren:
- Welche Farbe erreicht welche letzte Reihe?
- Welche der vier erlaubten Figuren steht nach dem Austausch tatsächlich auf dem Zielfeld?
- Welche erlaubten Antworten hat die andere Seite in dieser vollständigen Stellung?
Bei zusätzlichen gegnerischen Figuren müssen auch deren Züge berücksichtigt werden. Ein eingeschlossener König allein beweist dann noch kein Patt. Wählen Sie die Figur deshalb anhand des Ergebnisbildes statt automatisch nach ihrer üblichen Stärke.
Quellen geprüft am 31. Oktober 2026: die verlinkten FIDE-Regeln, gültig ab 1. Januar 2023, sowie der Bauernkurs des Deutschen Schachbundes. Aufbau, Feldprüfung, Variantenvergleich und Lernfragen stammen von der Redaktion.
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