Redaktioneller Ratgeber

Schachnotation lesen: Figurenbuchstaben und Zielfeld

Der Beitrag

Bei der kurzen algebraischen Schachnotation bezeichnet das Kürzel die ziehende Figur und ihr Zielfeld. Das vollständige Ausgangsfeld fehlt häufig. Zum Nachspielen brauchen Sie deshalb auch die passende Brettstellung. Diese Lesehilfe hilft beim Einstieg mit einem Lehrbuch oder einer gemeinsam besprochenen Partie.

Erst die Figurenbuchstaben zuordnen

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Für deutsche Notation zeigt der [Figurenkurs des Deutschen Schachbundes](https://www.schachbund.de/schachkurs-figuren.html) diese Zuordnung:

FigurDeutscher Buchstabe
KönigK
DameD
TurmT
LäuferL
SpringerS
BauerKein Figurenbuchstabe

Ein kleines d gehört zum Feldnamen; ein großes D bezeichnet die Dame. Schreiben Sie beim Üben bewusst groß und klein. Eine handschriftliche Notiz, die beides vermischt, macht die spätere Kontrolle unnötig schwer.

Die englische Zuordnung lautet K, Q, R, B, N für König, Dame, Turm, Läufer und Springer. Die FIDE lässt landesübliche Figurenabkürzungen zu. Ein englisches N ist also kein deutscher Figurenname. Halten Sie die Sprache Ihrer Vorlage neben dem Übungsbrett fest, bevor Sie verschiedene Bücher oder Bildschirmansichten vergleichen.

Zielfeld und Zusatz getrennt lesen

In der Kurznotation nennt Sf3 einen Springerzug nach f3; d4 einen Bauernzug nach d4. Ein x bezeichnet einen Schlagzug. Bei einem schlagenden Bauern steht davor seine Ausgangslinie. Zusätzliche Linienbuchstaben oder Reihenzahlen können gleichartige Figuren unterscheiden. Die [Notationseinführung von ChessBase](https://www.schach.de/de/page/die-notation-einer-schachpartie) erläutert außerdem den Unterschied zur längeren Schreibweise mit Ausgangsfeld.

Die folgenden selbst zusammengestellten Kürzel sind einzelne Lesebeispiele, keine fortlaufende Partie:

KürzelSo zerlegen Sie es
Sf3S: Springer; f3: Zielfeld
Sxf3S: Springer; x: schlägt; f3: Zielfeld
d4Bauer; d4: Zielfeld
exd5Bauer aus der e-Linie; x: schlägt; d5: Zielfeld
Sbd4S: Springer; b: Ausgangslinie; d4: Zielfeld
S3d4S: Springer; 3: Ausgangsreihe; d4: Zielfeld

Bei S3d4 bedeutet die 3 nicht „dritter Springer“. Sbd4 nennt kein vollständiges Ausgangsfeld. Welche Figur gemeint ist und ob sie ziehen darf, klärt die Stellung. Ergänzen Sie ein fehlendes Startfeld nicht aus der Erinnerung an die Grundaufstellung.

Die Einzelheiten stehen in [Anhang C der FIDE-Regeln, gültig ab 1. Januar 2023](https://handbook.fide.com/chapter/E012023). Das x ist dort optional: Sein Fehlen beweist daher allein keinen Zug ohne Schlagen. Achten Sie auf die Schreibweise der ganzen Vorlage.

Eine ruhige Leserunde am Tisch

Nehmen Sie für die erste Runde ein einziges bereits erläutertes Diagramm und den dazugehörigen Zug. Legen Sie ein Blatt neben das Brett. Decken Sie weitere Varianten zunächst mit einem zweiten Blatt ab, damit Ihre Augen nicht zwischen verschiedenen Zeilen springen müssen.

Probieren Sie diesen Ablauf:

  • Kopieren Sie das Kürzel unverändert. Prüfen Sie jeden Buchstaben am Original, bevor Sie etwas umstellen.
  • Sprechen Sie Figur und Zielfeld aus. Zeigen Sie zunächst nur auf das Zielfeld.
  • Vergleichen Sie das Diagramm mit Ihrem Brett. Lassen Sie sich anschließend den Ausgangspunkt und den erlaubten Zug zeigen.
  • Markieren Sie die bearbeitete Zeile. Erst dann wechseln Sie zum nächsten erläuterten Zug.

Eine offene Stelle darf offen bleiben. Schreiben Sie etwa „Ich finde das Zielfeld, aber noch nicht die gemeinte Figur“. Damit kann eine andere Person gezielt helfen. „Ich verstehe gar nichts“ lässt dagegen schwer erkennen, welcher Schritt fehlt.

Drei kleine Aufgaben ohne Zugzwang

Diese Aufgaben üben das Lesen auf Papier; sie behaupten keine bestimmte Brettstellung:

**1. Zwei Sprachen:** Notieren Sie Sf3 und Nf3 auf zwei Karten. Schreiben Sie „deutsch“ beziehungsweise „englisch“ darüber. Ordnen Sie beiden Karten den Figurennamen und das Zielfeld zu. Vergleichen Sie anschließend Ihre Antworten: Beide nennen einen Springer und f3. Daraus folgt noch kein bekannter Ausgangspunkt.

**2. Zwei Hinweise:** Schreiben Sie Sbd4 und S3d4 nebeneinander. Unterstreichen Sie nur den Zusatz zwischen Figurenbuchstabe und Zielfeld. Beschriften Sie ihn mit „Linie“ beziehungsweise „Reihe“. Kontrollieren Sie, dass Sie weder b noch 3 in das Zielfeld übernommen haben. Beide Zielangaben bleiben d4.

**3. Eine fehlende Vorlage:** Jemand reicht Ihnen nur das Kürzel exd5. Bereiten Sie eine konkrete Rückfrage vor: „Kannst du mir das Diagramm unmittelbar vor diesem Zug zeigen?“ Versuchen Sie nicht, aus dem einzelnen Kürzel eine ganze Partie zu rekonstruieren. Vergleichen Sie erst die vollständige Vorlage, dann Ihre Lesart und schließlich das Brett.

Für den nächsten gemeinsamen Termin können Sie eine dieser Karten mitnehmen und die schwierige Stelle markieren. So beginnt das Gespräch mit einer überschaubaren Aufgabe. Rochade, Umwandlung und weitere Zeichen können Sie danach an einem eigenen Beispiel mit Anleitung ergänzen.

Quellen und Prüfdatum

Die verlinkten Quellen wurden am 15.10.2026 geprüft. Grundlage sind der Figurenkurs des Deutschen Schachbundes, die Notationseinführung von ChessBase und Anhang C der FIDE-Regeln. Lesekarten, Arbeitsablauf und Rückfragen wurden für diesen Ratgeber entwickelt.

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